Unsere Breslauer germanistische Studentenzeitung sollte meinen kleinen Beitrag zum Thema Literatur bringen. Gebracht hat es aber so viele Druckfehler (beim Copy&Paste kann man augenscheinlich auch überholen), daß der Text fast unleserlich wurde. Auf jeden Fall spürt man den Spaß beim Lesen nicht mehr. Deshalb erlaube ich es mir, ganz unverschämt und unbescheiden, meine Rezension hier zu posten.
Darunter finden sich auch Links zu den früheren Ausgaben unsrer Zeitschrift. Für besonders empfehlenswert halte ich die Umschlaggraphiken von Kasia Kurka. So 'nen Schopenhauer zu sehen ist ein Augenschmaus.
Hinweis: Weil das unten beschriebene Buch echt gut ist, wird es voraussichtlich in einer deutschen Fassung NICHT schnell erscheinen.
Darunter finden sich auch Links zu den früheren Ausgaben unsrer Zeitschrift. Für besonders empfehlenswert halte ich die Umschlaggraphiken von Kasia Kurka. So 'nen Schopenhauer zu sehen ist ein Augenschmaus.
Hinweis: Weil das unten beschriebene Buch echt gut ist, wird es voraussichtlich in einer deutschen Fassung NICHT schnell erscheinen.
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Germanisten kennen sich in der jüngeren deutschen
Literatur häufig besser aus als in der polnischen. Dem muß unbedingt abgeholfen
werden. Neben trendigen Bestsellerautoren und Skandalträgern, die es überall
gibt, bietet sich uns eine blühende Phantasy- und Sci-Fi-Szene, in der man junge begabte Schriftsteller
finden kann. Zu diesen zählt, nebst Ł. Orbitowski oder M. Oremus, der schlesische
Autor Szczepan Twardoch.
Seinen letzten Roman „Wieczny
Grunwald“ ["Ewiges Tannenberg"] schrieb er für eine Serie von Alternate Histories anläßlich des 6oo.
Jahrestages der Schlacht, es ist weder eine plumpe Was-wäre-wenn-Geschichte,
noch ein pathetischer Multi-Kulti-Diskurs. Daher ist er besonders den Adepten
der Landeskunde zu empfehlen. Der Dichter, ein Grenzgänger schlechthin, verarbeitet
darin alle alten sowie modernsten Besessenheiten und Ängste, vor allem aber
läßt er den alten Spruch „Póki świat światem, nie będzie Niemiec Polakowi bratem" [„Solange die Welt besteht, wird
der Deutsche des Polen Bruder nicht"] das Weltall regieren. Auch die Hauptfigur
ist ein besonderer Mischling: Bastard Casimirs des Großen und einer deutschstämmigen
Krakauer Hure. Er erfährt von seiner Herkunft, bringt seinen Freund um, erlernt
in Nürnberg die Fechtkunst, und kehrt schließlich auf seiner (Stichpunkt!)
Identitätssuche nach Krakau zurück, um seinen Nachlaß zu beanspruchen und
stirbt letzten Endes angeblich auf dem Schlachtfeld, allerdings nur körperlich.
Sein echtes Leben verschmilzt mit dem ewigen Sterben von -zig Parallelleben und
Nebenwelten, wo nur der permanente deutsch-polnische Konflikt besteht, zu einem
stilisierten obsessiven Bewußtseinsstrom.
Eben hier erkennt man den Meister.
Endlich mal eine Literatur, die straff ist, die man packen und genießen kann. Dabei
begegnet ein erfahrener Leser in dem Sprachgewebe den intertextuellen Fäden von
Twarochs früheren Faszinationen, vom Umgang mit Blankwaffen bis hin zu Ernst
Jünger. Natürlich ist das Buch nicht einwandfrei, eine quasi-buddhistische Prägung
und eine durchaus depressive Stimmung mögen manche abschrecken, scharfsinnige
Kommentare konfrontieren den Leser ohne Hemmungen mit der bitteren Wahrheit
über die menschliche Beschaffenheit.
Aber zurück
zur Sache! Man stelle sich vor, der ganze kulturelle Austausch, der Transfer
und die gegenseitige Bereicherung seien eine Akademikerfiktion und leeres
Gerede, und es gäbe nur einen immerwährenden Kampf zweier entgegengesetzter
Prinzipien, des Solaren und des Lunaren, des Männlichen und des Weiblichen, des
Rationalen und Emotionalen, des Sandsteins und des Granits, der Berge und des
Flachlands – des Deutschen und des Polnischen. Die Gegensätze können sich kaum
je vertragen, sondern nur solange bekämpfen bis einer den anderen bezwingt und
ausrottet. Schließlich muß sich jeder zu einem der beiden Pole bekennen. Es
gibt auch Gemeinsamkeiten beiderseits der Frontlinie, bloß kann man mit deren
Bewußtsein weiterleben?
Sonst verbindet das Buch zwei
weitere scheinbare Gegensätze: es liest sich wie ein Traktat, das Weisheit in
ihrer Überfülle ausgießt. Wiederum kommt dabei keine Langeweile auf, so
fließend gehen die Welten, Stile und Fäden ineinander über.
Bis auf einen
Punkt – obwohl ich ihn mehrmals durch- und angelesen habe, bin ich mir nicht
darüber im Klaren, ob das offene Ende ein Vorzug oder Nachteil des Romans ist.
Ob darin tatsächlich eine Lösung vorgeschlagen wird. Das aber muß nach der
Lektüre jeder für sich selbst beantworten.
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Antiquities:
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